Im abschließenden Themenblock zeigte Marcel Moré ein ungewöhnliches Konzept: einen AI-Agenten, der direkt im Browser lebt und dort eigenständig User-Interfaces erzeugt. Der Space Agent wurde vom tschechischen Entwickler Jan Tomásek geschaffen der bereits andere Plattformen wie Agent Zero veröffentlicht hat. Das Projekt steht auf einer eigenen Website und auf Git Hub zur Verfügung.

Browser im Browser

Space Agent verfolgt einen anderen Ansatz als bekannte Coding-Agents wie OpenClaw oder Hermes: Statt im Terminal oder einer IDE läuft er als JavaScript-Anwendung im Browser. Innerhalb dieser App existiert ein eigenes “Browser-im-Browser”-Konzept, über das der Agent mit Webseiten interagieren kann.

Der Clou liegt in einer cleveren Token-Optimierung: Der Agent muss nicht das komplette HTML einer Seite parsen. Stattdessen rendert ein internes Stylesheet das DOM in Echtzeit zu Markdown um. Über eine interne API sieht der Agent nur das, was tatsächlich für den Nutzer sichtbar ist – etwa: “Hier gibt es drei Buttons mit folgenden Beschriftungen.” Das spart massiv Tokens und macht die Interaktion deutlich schneller und günstiger.

Workspaces und Widgets

Space Agent organisiert seine Arbeit in Workspaces. Jeder Workspace kann Widgets enthalten, die der Agent on-demand generiert. Lässt man sich ein UI für eine API bauen, entsteht ein React-Widget, das vom Agenten interaktiv erzeugt wird, sich anschließend aber verselbständigt: Das Widget bleibt persistent im Workspace und arbeitet danach als fest hinterlegtes React-Programm – ohne den Agenten erneut zu bemühen.

Das gesamte Setup ist mehrbenutzer- und teamfähig. Workspaces lassen sich teilen, sodass ganze Teams mit denselben dynamisch generierten Widgets arbeiten können.

Eigene Infrastruktur

Space Agent ist als Open-Source-Projekt verfügbar und lässt sich auf verschiedene Arten betreiben:

  • als gehostete Web-Variante (kostenlos mit Gast-Zugang)
  • als native macOS-App
  • auf einem eigenen VPS (z. B. bei Hetzner, in fünf Minuten eingerichtet)
  • mit lokalen AI-Modellen

Der API-Zugriff erfolgt wahlweise über OpenRouter (z. B. mit Claude-Modellen), über eigene API-Keys oder über lokal gehostete Modelle. Damit bleiben sensible Daten vollständig in der eigenen Infrastruktur – die Cloud wird nur noch für die reine Sprachverarbeitung benötigt.

FileMaker als Backend

Marcel zeigte den Aufbau eines Space-Agent-Workspaces für die Stammtisch-Datenbank. Im Hintergrund läuft die FileMaker-Lösung mit der bestehenden REST-API – auf Basis des MBS-Plugins und einem Webhook, der Befehle über URL entgegennimmt. Der Agent bekommt ein API-Snippet samt Beispiel und kann anschließend selbständig Daten abfragen, in einem generierten Widget darstellen und für die Nutzung im Workspace persistieren.

In der Demo wurde gezeigt, wie Space Agent per Prompt ein interaktives Dashboard baut, welches aus der FileMaker Anwendung die Daten erhält und diese im Agent-Workspace verfügbar macht.

Wo führt das hin?

Das Konzept eröffnet eine spannende Perspektive auf das Verhältnis von UI und AI: Statt fertige Oberflächen vorab zu designen, entsteht das Interface erst dann, wenn der Nutzer es konkret braucht. Der Agent ist gleichzeitig Datenmittler, UI-Generator und Frontend.

Für FileMaker-Entwickler ergibt sich eine doppelte Option: Entweder bleibt FileMaker das primäre Frontend, und der Agent agiert als zusätzlicher, kontextsensitiver Helfer. Oder man dreht das Modell um – die FileMaker-Lösung läuft im Hintergrund als sichere Datenhaltung, während Nutzer ihre UIs dynamisch und teamspezifisch über Space Agent generieren lassen. Lässt man den Space Agent in einen Webviewer innerhalb der FileMaker Anwendung laufen, schließt sich der Kreis.

Dies verdeutlicht, wie grundlegend die agentische Arbeitsweise die klassische Trennung zwischen Backend, Frontend und Werkzeug auflöst.