Ausgehend von den gezeigten Demos und Präsentationen im Bereich AI Coding Agents entspann sich unter den Teilnehmern eine lebhafte Diskussion um Erfahrungen und geeignete Vorgehensweisen.

Die neuen Agentic-Tools unterscheiden sich grundlegend von den bisherigen Chat-Bots wie ChatGPT, Gemini und Co. Entsprechend gilt es, passende Arbeitsweisen für den Umgang mit den neuen Tools zu erlernen und im Praxisalltag zu verankern.

Armin wies auf die schnelle Erschöpfung des Token-Kontingents bei Opus 4.6 hin. Marcel bestätigte dies, verwies aber auf die enorme Zeitersparnis als lohnende Investition. Für reine Datenverarbeitungsaufgaben empfiehlt sich auch Sonnet, während Opus bei komplexen Planungen, Schlussfolgerungen und Sonderfällen seine Stärken ausspielt.

Die Diskussion berührte auch das Thema KI-Gedächtnis: Marcel nutzt ein selbst gebautes /save-chat-Kommando, das den gesamten Session-Inhalt als Markdown-Datei archiviert — sowohl lokal im Projektverzeichnis als auch in Obsidian. Armin beschrieb seine Methode, Erkenntnisse aus Chat-Sessions als KI-optimierte Markdown-Dateien aufzubereiten und diese zwischen verschiedenen Modellen (Claude, ChatGPT) im Ping-Pong-Verfahren zu verbessern. Frank ergänzte seinen Ansatz mit automatischen „Handover"-Dateien beim Kontextwechsel, die einen nahtlosen Übergang zwischen Sessions ermöglichen. Auch Jörg nutzt lokale Markdown-Dateien für die Sicherung der erzielten Ergebnisse, ergänzt um den Zugriff per Obsidian.

Jörg erläuterte die Skill-Creator-Methode. Sobald man sich eine Lösung im Dialog mit Claude erarbeitet hat, kann man diese mir dem Skill-Creator in einen eigenständigen Skill konvertieren. Damit steht zukünftig ein Ablauf bei Bedarf als eigenständiger Workflow bereit und entlastet das Kontextfenster.

Jörg wies außerdem auf den Befehl ‘/insights’ innerhalb von Claude Code hin, der eine aufschlussreiche Analyse des eigenen Nutzungsverhaltens mit dem Agent liefert. Dabei werden Stärken und Schwächen hervorgehoben und mögliche Verbesserungspotenziale aufzeigt.

Die Diskussion wandte sich dem Thema Sicherheit zu: Holger äußerte Bedenken bezüglich des vollen Dateizugriffs durch Claude Code. Armin und Adam erklärten die konfigurierbaren Berechtigungen (pro Befehl genehmigen, Whitelists). Jörg plant, Zugangsdaten künftig in KeePass statt im Klartext in Custom Functions zu speichern.

Marcel verwies ergänzend auf zukunftsweisende Entwicklungen: Diffusion-Modelle, die schneller als herkömmliche Prediction-Modelle arbeiten, und rekursive Sprachmodelle, die sich eigenständig semantische Pfade durch große Kontextfenster erarbeiten — beides Ansätze, die auch die lokale Ausführung perspektivisch verbessern werden.

Arnold zeigte einen in Go geschriebenen XML-Parser (von Python konvertiert via KI), der 1.400 Skripte aus einer 3,7 Mio. Zeichen großen XML-Datei in unter einer Sekunde extrahierte — ein weiteres Beispiel für die Leistungsfähigkeit KI-gestützter Entwicklung in Kombination mit modernen Programmiersprachen.

Erwähnt wurde auch der aktuelle Hype um das Thema OpenClaw. Das von dem Österreicher Peter Steinberger entwickelte Open-Source-Projekt hebt den Agentischen Workflow auf eine neue Stufe. Mit Hilfe von OpenClaw lässt sich sozusagen in wenigen Schritten ein persönlicher AI Assistent einrichten, der per Whatsapp oder Telegram mit dem Benutzer kommuniziert und eigenständig Aufgaben ausführt. Der Bot lernt aus den Interaktionen mit seinem Benutzer dazu, erzeugt bei Bedarf neuen Code und lädt sich neue Skills aus dem Internet. Er ist also in der Lage seine Fähigkeiten eigenständig zu erweitern. Da dies auch zahlreiche Sicherheits-Risiken mit sich bringt, ist das Projekt nicht unumstritten. Deutlich wird jedoch auch, dass der dahinterliegende konzeptionelle Ansatz und viele damit verbundene technische Details einen qualitativen Unterschied zu bisherigen Lösungen ausmacht.

Marcel beschrieb die Evolutionsstufen von KI-Systemen:

  1. Stufe 1: Einfacher Chat
  2. Stufe 2: Workflows mit Tool Use
  3. Stufe 3: Agentic Loops
  4. Stufe 4: Agent-Orchestrierung

In diesem Kontext repräsentiert OpenClaw die vierte Stufe und liegt damit an vorderster Front der aktuellen Entwicklungen.